Der 19. August ist der Tag der Honigbiene

14. 08. 2017 - Der 19. August ist der Tag der Honigbiene. Dies haben wir zum Anlass genommen um beim Hobby-Imker unseres Vertrauens mal nachzufragen, was die Honigbiene eigentlich für eine Bedeutung in unserer Gesellschaft hat.



Eins ist klar: wir alle wissen die Honigbiene zu schätzen – und das nicht zuletzt wegen des köstlichen Honigs, der uns das Leben versüßt. Doch die Bedeutung der Honigbiene geht weit darüber hinaus. Bienen sind für uns lebensnotwendig – und nicht weil sie leckeren Honig produzieren. Zwar ist es fraglich, ob es wirklich Albert Einstein war, der den vielzitierten Satz prägte „Wenn die Bienen sterben, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, so ist doch etwas Wahren dran. 80% von allen heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind von der Bestäubung der Honigbiene abhängig. Der Honig, um den wir die Honigbiene betrügen und den wir ihr abernten, ist ihr Futter. Dabei können wir wohl von Glück sprechen, dass die Honigbiene vielmehr Honig produziert als sie selber zum Überleben benötigt, sodass eben noch etwas für uns Menschen übrig bleibt. Da kann es nicht schaden, einen Imker in der Familie zu haben, der uns nicht nur mit Honig, sondern auch mit Informationen versorgen kann.

Doch was macht die Faszination der Honigbiene sonst noch aus?

„Das Bienenvolk an sich ist die größte Faszination.“, sagt Thomas Wolffrom, der 4 Bienenvölker bei sich auf dem Hof stehen hat. „Im Sommer bestehen Bienenvölker aus 50.000 – 60.000 Individuen. Schon allein das Zusammenspiel der einzelnen Individuen, wo im Volk jeder seiner eigenen Aufgabe nachgeht, sodass ein harmonisches Zusammenspiel im Gesamten entsteht, ist eine unglaubliche Faszination, die von uns Imkern gerne beobachtet wird.“ 

Und doch hat sich mittlerweile eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen Mensch und Honigbiene entwickelt, sagt Wolffrom. So wie wir vom Überleben der Honigbiene abhängig sind, ist heute auch die Honigbiene auf unsere Hilfe angewiesen. Nistplätze wie beispielsweise hohle Bäume oder ähnliches sind von ihr nur noch schwer zu finden, sodass sie zunehmend auf von Imkern bereitgestellte Bienenkästen angewiesen sind. Neben der „Wohnungsknappheit“, stellt auch die Varroamilbe eine große Gefahr für die Honigbiene dar. Diese kann ganze Bienenvölker vernichten und wird von den Imkern aktiv bekämpft. Hier wird aktuell auch an der Bekämpfung der Varroamilbe mit Hilfe des Bücherskorpions geforscht – Imker hoffen dabei auf eine Möglichkeit, ohne Insektizide und auf eine natürliche Art und Weise der Varroamilbe den Kampf ansagen zu können. 

Doch wieviel Honig gibt uns so ein Bienenvolk?

Im Durchschnitt kann man sagen, dass ein Bienenvolk ca. 25 kg Honig im Jahr produziert, ein gut funktionierendes Volk kann sogar bis zu 40-50 kg Honig im Jahr abgeben. 

Wandervölker beispielsweise geben in der Regel mehr Honig ab als Völker, die das ganze Jahr über am gleichen Standort platziert sind. Wandervölker haben den Vorteil, dass sie dort platziert werden können, wo am meisten Blüten vorhanden sind. Dadurch haben sie den gesamten Sommer über immer ausreichend Nahrung und können durchgängig Honig produzieren. 

Inwiefern ist die Imkerei Wetterabhängig? 

„Wenn es kalt ist oder regnet, gehen die Bienen nicht raus. Somit kann man sagen dass es in einem kalten Sommer weniger Honig gibt als in einem warmen Sommer. Aber die Imkerei ist nicht ganz so wetteranfällig wie die Landwirtschaft – Hagel, Sturm oder sogar Frost schaden den Bienen in der Regel nicht oder nur indirekt dadurch dass die Pflanzen kaputt gehen, die Bienenvölker überleben dies aber normalerweise unbeschadet.“

Ein viel größeres Problem stellen für die Honigbiene die Pestizide, Fungizide und Herbizide dar. „Bienen sind empfindliche Wesen, die durch den erhöhten Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln großen Schaden nehmen. Das erklärt aber auch die bemerkenswerte Tatsache, dass Stadtbienen oft gesünder sind als Landbienen. Denn in der Stadt ernähren sie sich von Balkon- und Gartenpflanzen oder fliegen in den Parkanlagen herum – da findet man deutlich weniger Pestizide als wir sie in der Landwirtschaft haben.“ 

Die Bienenvölker von Thomas Wolffrom stehen im Schwarzwald, sodass er hauptsächlich Waldhonig produziert. „Das kuriose am Waldhonig ist, dass die Bienen sich im Wald nicht von Blumennektar ernähren, sondern von den Ausscheidungen der Blattläuse. Somit ist Waldhonig nichts anderes als Läusescheiße,“ sagt Thomas Wolffrom lachend. Die Menge an Waldhonig, die in einem Jahr produziert werden kann, ist somit von der Größe der Blattlauspopulation und somit stark von den Wetterbedingungen im Vorjahres-Herbst abhängig. Dann nämlich steht die Paarungszeit der Blattläuse an. Je besser das Wetter, umso mehr Waldhonig-Läuse hat man im Folgejahr.  

Wir danken Thomas Wolffrom für das Gespräch und hoffen, dass die Honigbiene noch viele Jahre überlebt. Ein bisschen wohlgesonnener werden wir ihr auf jeden Fall sein, wenn sie hartnäckig bei der nächsten Kaffeepause auf der Terrasse ein Stück von unserem Kuchen abhaben will.








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