Green Catering bei Catering Guides

10. 03. 2015 - „Mit einem überschaubaren Aufwand zu neuen Ideen und Impulsen“

Was hat es eigentlich mit diesem „Green Catering“ auf sich, von dem alle Welt gerade spricht? Ist das nur ein Trend, der genau so schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist? Oder sollte sich ein näherer Blick auf das Thema doch lohnen?
Wir haben uns mit dem Nachhaltigkeitsexperten Jürgen May von der Agentur 2bdifferent über das Thema unterhalten und  all diese Fragen beantwortet.


Herr May, was ist Green Catering?

Es geht in erster Linie um ein zeitgemäßes Handeln und eine glaubwürdige Transparenz. Richtig gemacht, berücksichtigt ein Green Catering alle ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien. Dies beginnt bei der Auswahl von Lieferanten, bei der auf Herstellungsprozesse und Umweltschutzaspekt geachtet wird. Dazu kommt, dass pflanzliche und tierische Lebensmittel fast ausschließlich von regionalen Produzenten, welche sich auf biologische Produkte und artgerechte Haltung konzentrieren, bezogen werden. Dass bei Produkten aus Übersee, wie bspw. Kaffee und Tee, neben dem ökologischen Anbau auch auf fairen Handel geachtet wird. Ein absolutes Tabu bei einem Green Catering ist in der Produktion die Verwendung von Convenience-Produkten, gentechnisch veränderten Produkten, Geschmacksverstärkern und künstlichen Aromen. Ergänzend kommt noch der Einsatz von Mehrweggeschirr sowie die umweltgerechte Entsorgung der Küchenabfälle hinzu. 

Warum ist das Thema derzeit so schwer im Kommen?

Nachhaltiges Denken und Handeln ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Es gilt als notwendig und zukunftsweisend. Dadurch verändert sich unsere Gesellschaft in vielem entscheidend. In der Wirtschaft entwickelt sich eine neue Geschäftsmoral, die den Umweltschutz berücksichtigt, Ressourcen schont, CO2 reduziert und die unternehmerische Sozialverantwortung (CSR) wahrnimmt. 

Was macht Sie so sicher, dass es sich bei der ganzen Sache nicht nur um einen Trend handelt, der in zwei, drei Jahren schon niemanden mehr interessiert?

Dass Unternehmenserfolg - neben dem rein monetären Gewinn - inzwischen auch daran gemessen wird, inwieweit ein Unternehmen seine Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft wahrnimmt. Es geht im Kern nicht mehr darum, was Unternehmen mit ihren Gewinnen anstellen, sondern wie sie zu ihnen kommen.

Die Kosten für Green Catering sind in der Regel höher als die für normales Catering. Warum sollten sich Anbieter und Endverbraucher trotzdem für Green Catering entscheiden?

Glaubwürdigkeit, Authentizität und Transparenz sind vor allem da wichtig, wo Unternehmen und Marken ihre Kunden und Partner persönlich treffen – beim Event! Gerade hier wird die Philosophie eines Unternehmens erfahrbar. Aus diesem Grund suchen immer mehr „Unternehmen mit Eventkultur“ nach Möglichkeiten, ihre unternehmensinterne Nachhaltigkeitsstrategie auch bei der Planung und Umsetzung von Messen, Kongressen, Tagungen und Public Events fortzuführen. Von Unternehmen gesucht werden deshalb verstärkt Regionen und Standorte, in denen Agenturen, Locations und Cateringbetriebe auf die konzeptionelle Entwicklung und Umsetzung von nachhaltigen Events ausgerichtet sind. Aber nicht nur die Unternehmen stellen sich zunehmend dem Thema. Auch Hotelvermittler, Eventagenturen, Touristikcenter und Convention Bureaus suchen und bieten ihren Kunden entsprechende Partner und Leistungen an.

Wie sollten Caterer vorgehen, die ihr Angebot auf Green Catering umstellen wollen? Was müssen Sie beachten und wie sehen die ersten Schritte konkret aus?

Wer mit nachhaltigen Angeboten im Eventbusiness, Tagungs- und Kongressgeschäft punkten will, muss authentisch sein! Der Weg zum nachhaltigen Cateringbetrieb beginnt mit einem kritischen Blick auf das eigene Handeln. Ehrlichkeit und Transparenz gegenüber Kunden und anderen Interessensgruppen stehen deshalb hierbei an erster Stelle. Mittels einer Nachhaltigkeitsanalyse werden im ersten Schritt sowohl Stärken als auch Verbesserungspotenziale des Cateringbetriebes identifiziert. Dies schließt die komplette Wertschöpfungskette, also alle maßgeblich am Unternehmen beteiligten Partner, mit ein. Die Ist-Situation wird hierbei aus unterschiedlichen Perspektiven (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Partner, etc.) betrachtet. Erst wenn ein vollständiges Bild unter nachhaltigen Gesichtspunkten von dem Geschäftsbetrieb gewonnen wurde, werden im zweiten Schritt konkrete Handlungsempfehlungen und Zeitfenster für deren Umsetzung entwickelt. Mit Hilfe einer „Sustainability Roadmap“ ist es möglich, strategische Entscheidungen und operative Umsetzungsmaßnahmen klar zu trennen und in der richtigen Reihenfolge anzugehen. Mit einem überschaubaren Aufwand und dem Blick von außen entsteht sprichwörtlich das optimale Klima für neue Ideen und Impulse. 


Welche Zertifikate gibt es?

Im Event-Umfeld gibt es zig Nachhaltigkeits und Green Meeting Labels, die Umwelt- und Nachhaltigkeitsbestrebungen mess- und nachvollziehbar machen sollen. Durch die zunehmende Flut an Labels, Produkt- und Dienstleistungs-Kennzeichnungen wird die Evaluation immer schwieriger. Im Rahmen unserer Beratung bieten wir unseren Kunden einen Durchblick durch diesen Dschungel. Allein in Europa gibt es inzwischen fast 100 Nachhaltigkeitslabels, die für die Veranstaltungswirtschaft genutzt werden können. Vor allem die Auszeichnung „klimaneutrale“ Events oder Caterings durch ausschließliche CO2-Kompensierung mittels Zertifikatkauf – ohne vorher wirtschaftlich und inhaltlich vertretbare Möglichkeiten zur CO2-Reduzierung ausgeschöpft zu haben – sehen wir als Greenwashing an. Hier werden Nachhaltigkeitsziele nur „positiv verpackt“ und das bleibt unglaubwürdig. Wir befinden uns im Aufbau eines Labelguides für die Eventbranche. Dazu kooperieren wir mit einer Universität, welche unsere Recherchen mit einer fundierten Studie begleitet. In der zweiten Jahreshälfte werden wir dieses Nachschlagewerk als Onlineportal veröffentlichen.

Ist 100-prozentig nachhaltiges Arbeiten in der Catering-Branche überhaupt möglich?

Um es mit den Worten von Erich Kästner zu sagen: »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!« Dies gelingt, wenn man mit einem kritischen Blick auf das eigene Wirtschaften beginnt. Wo finden sich die Keimzellen für Nachhaltigkeit in meinem Unternehmen? Welche Stärken & Schwächen sind gegeben. Was mache ich bereits gut? Es geht allerdings nicht darum, alles krampfhaft „grün“ zu machen! Es geht in erster Linie um ein zeitgemäßes Handeln und eine glaubwürdige Transparenz! Eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und in das laufende Geschäft zu integrieren, ist ein kontinuierlicher Prozess, der nur Schritt für Schritt erfolgen kann. Nur authentisch plus attraktiv ist gleich Erfolg.


Viele Caterer werben mit Bio-Produkten und regionalen Zutaten. Zählt das schon zum Green Catering?

Die Meinungen zur Definition eines „Green Caterings“ können weit auseinander gehen. Für die einen sind mit Leitungswasser befüllte Glaskaraffen in Verbindung mit einer Green Catering-Pauschale zur CO2-Klimaneutralisierung bereits ein top Green Szenario. Für andere wiederum ist dies erst durch die Implementierung eines Umweltmanagementsystems gegeben. Es gibt leider keine verbindlichen Richtlinien in diesem Markt. Wir sagen, um ein Green Catering anbieten zu können, gehört mehr dazu als der Einsatz von Bio-Produkten und regionalen Zutaten. Dazu gehören alle ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien im täglichen Handeln. Die wesentlichen Handlungsfelder sind Mobilität, Energie, Wasser, Reinigung, Beschaffung und Abfallmanagement. Hinzu kommen die sozialen Aspekte, eine transparente Dokumentation sowie die gute alte Weisheit „Tue Gutes und rede darüber“ – besser bekannt als Marketing und Kommunikation.


Welchen Vorteil haben Caterer davon, in das „Green Catering“-Verzeichnis von Catering Guides aufgenommen zu werden?

Bekanntlich ist es schwer, Menschen zu etwas zu bewegen, wenn die Benefits teils noch in der Zukunft liegen. Keiner bestreitet aber, dass wir etwas tun müssen. Die Eventbranche braucht jetzt Strategien und Konzepte zum nachhaltigen Wirtschaften, um zukünftig erfolgreich zu sein. Die Anforderungen an Cateringbetriebe, nachhaltige Belange in ihrem täglichen Handeln zu beachten, sind doch schon spürbar in den Häusern angekommen. Dazu gehören Ressourcenverknappung, kontinuierlich steigende Energiepreise, fehlendes Fachpersonal, nachhaltige Vorgaben von Kunden uvm. Durch die Aufnahme in das „Green Catering“-Verzeichnis unterstützt Catering Guide die Catering-Betriebe deren Nachhaltigkeitsaspekte in glaubhafte und erfolgreiche Businessstrategien zu wandeln. 

Welche Voraussetzungen müssen sie dafür erfüllen?

Die Aufnahme erfolgt mittels eines Basischecks, der Betrachtung von Aktivitäten und Maßnahmen, welche innerhalb des Cateringbetriebes unter nachhaltigen Gesichtspunkten bereits bewusst, wie auch unbewusst, umgesetzt werden. Daraus resultiert dann eine Punktebewertung, bestehend aus fünf Klassifizierungsstufen. Um in das „Green Catering“-Verzeichnis von Catering Guides aufgenommen zu werden, müssen die beiden ersten Klassifizierungsstufen erreicht werden. Zusätzlich kann noch ein Telefoninterview mit Plausibilitätsfragen durchgeführt werden. 

 

 

Für weitere Fragen steht Ihnen Jürgen May unter folgendem Kontakt zur Verfügung:

Jürgen May
tel. 06232-68 33 90
2bdifferent
Gießhübelstr. 3
67346 Speyer, Germany
may(at)2bdifferent.de
www.2bdifferent.de







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